paydirektEs ist ein durchaus größenwahnsinnig anmutendes Unterfangen, das die deutschen Banken sich da aufgeladen haben. Denn noch ein neuer Online-Payment-Anbieter ist nun wahrlich nichts neues – und man wirft gleich mit den ganz großen Namen des Business um sich, wenn es darum geht zu beschreiben, wem man hofft Kundschaft abzweigen zu können. Allen vorweg will man PayPal Konkurrenz machen.

PayPal ist mittlerweile zum beliebtesten Anbieter der Deutschen geworden, wenn es um Zahlungen im Internet geht. Es ist also ein großes Ziel, was die Banken sich selbst gesteckt haben.

Die erste Transaktion des neuen Zahlungsdienstes mit dem Namen Paydirekt ist bereits über die Bühne gegangen: Mitarbeiter der HypoVereinsbank kauften am 17. August zu Testzwecken online eine Dartscheibe, bezahlt wurde diese mit Paydirekt. Neben der HypoVereinsbank sollen ab November diesen Jahres auch andere deutsche Privatbanken, darunter Deutsche Bank, Postbank, Commerzbank und Comdirect, sowie die Volksbanken und Raiffeisenbanken den Dienst anbieten können. Kunden registrieren sich auf den Online-Banking-Seiten Ihrer Hausbank für den Paydirekt-Zugang und können dann ab diesem Zeitpunkt online bezahlen. Statt der eigenen Bankdaten werden bei Transaktionen lediglich Passwort und Benutzername eingegeben, das Konto ist aber fest mit dem jeweiligen Girokonto verknüpft.

Den Termin für einen Start zu Weihnachten verpasst haben die Sparkassen: Sie waren zunächst nicht überzeugt vom Geschäftskonzept, erklärten sich erst spät zur Teilnahme bereit und werden vermutlich erst ab Frühling 2016 auch an Paydirekt angebunden sein. Und das ist nicht das einzige Problem, mit dem Paydirekt schon vor der Markteinführung kämpft, denn insgesamt wird das Unterfangen eher kritisch betrachtet. Während die Banken sich selbstbewusst geben, räumen Branchenbeobachter und Presse Paydirekt wenig Chancen ein, sich gegen die sehr ähnlichen Anbieter PayPal und Sofort-Überweisung durchsetzen zu können. Auch der Handel, mit dem die Banken aktuell noch über Konditionen verhandeln, nimmt die Zahlungsmethode nur langsam und mit Skepsis auf. Andere Zahlungsanbieter wie Klarna und Paysafecard werden immer wichtiger am Markt, da liegt es nahe, sich zuerst auf die Einbindung dieser zu konzentrieren. Die deutschen Banken selbst geben an, im November mit einem interessanten Portfolio kooperierender Händler starten zu wollen. Wie das Projekt Paydirekt dann wirklich verläuft, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.